Autorenkram · Gedankenkotze · SchreibWissen

Wie toll ist das #Autorenleben eigentlich?

Wer ein bisschen in der Social Media Welt der Autoren herum fischt, ist wahrscheinlich schon einmal auf diesen Hashtag getroffen. Dort, wo Schreiberlinge jeden Genres posten, wie ihr Buch vorangeht und wie toll eigentlich alles ist. Ja, sehr oft sieht man Tweets und Bilder von tollen Schreibkulissen und perfekt gewordenen Szenerien. Autoren, die sich freuen, dass ihre Werke gerade so toll klappen und Wordcounts, die andere Schreiber ab und an etwas deprimieren. Das ominöse Autorenleben ist der perfekte Platz, um die schönen Seiten des Schreibprozesses mit der Welt zu teilen! Aber dann sind da ja noch die ganzen Dinge, die einen hinter den Kulissen runter ziehen und beschäftigen, die man aber kaum mit der Welt und dem Internet teilt. Diesem Gedankengang haben sich des Letzteren erst Jennifer Jäger aka. Liza Grimm und Tina Köpke gewidmet. Sie warfen die Frage auf, ob das #Autorenleben wirklich so rosig ist, wie es den Anschein hat!
Mich persönlich hat das zum Grübeln gebracht – denn nein, mein Dasein als Autorin ist nicht nur durch perfekte Schreibsessions und wunderbare Romanauszüge geprägt. Das lasse ich nur nicht all zu oft an die Menschen ran, denn wer will schon die Schwächen seines Berufes/Hobbies mit der Öffentlichkeit teilen? So wie auch Jennifer Jäger möchte ich in diesem Post darüber nachdenken, was das #Autorenleben für mich eigentlich auch ist, neben den guten Momenten (die es aber immer noch gibt und die es genauso zu wertschätzen gilt).
Mein #Autorenleben ist Unsichtbarkeit in der Masse von Leuten, die genau das Gleiche machen, wie ich und doch erfolgreicher sind. Ich bin seit ca. 2012 mit am Start, wenn es um das Schreiben von Romane gibt und führe Blogs und Facebook-Seite ungefähr seit 2014. Seither versuche ich, auf mich aufmerksam zu machen – so gut es geht. Das dann neben Schule, AGs und erdrückenden Hausaufgabenbergen. Um mich herum seh ich in der gleichen Zeitspanne Autoren aufsteigen, die zu Beginn meiner Zeit noch gar nicht so groß waren. Als ich zum Beispiel mit meinem ersten Blog begonnen hatte, war Jennifer Jäger/Liza Grimm noch keine so große Autoren, wie ich sie heute sehe. Ich habe damals ein Interview mit ihr auf meinem Blog geführt und mittlerweile fühlt es sich an, als wäre so viel in ihrem Leben geschehen. Genau das Gleiche mit Marie Graßhoff, die nicht nur ihren dritten Roman heraus bringt, sondern auch an einer eigenen Fernsehserie arbeitet und aktuell durch Asien reist. Als ich anfing, ihr zu folgen (und auch als ich sie zum Geburtstag von Kernstaub interviewt habe), war sie noch beängstigt, dass Niemand ihre Bücher mögen könnte, weil sie einfach nicht auf den Markt passten. Das ist jetzt schon einige Jahre her und die Autoren, mit denen ich sozusagen groß geworden bin, wachsen und werden berühmter.
Und ich? Ich habe es zwar geschafft, eine knappe Followeranzahl von 200 zu behalten und ab und an »regelmäßig« zu bloggen, und Posts auf meinem ach so verhassten Facebook zu machen, und ja – ich habe auch in einigen Anthologien veröffentlicht – aber irgendwie stehe ich noch immer am Fuß des Berges, den andere schon längst erklommen haben.
Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass ich noch jung bin und, während andere Autoren Studium und Arbeit hinter sich brachten und Erfahrungen sammelten, mit denen sie auch ein größeres Publikum erwerben konnten, ich noch in der Schule saß und manchmal keine Zeit fand, manchmal keine Motivation und sehr oft noch nicht die richtigen Worte, um mich auszudrücken.
Das ist wahrscheinlich etwas, dass mich im wahren #Autorenleben ziemlich bewegt. Ich bemühe mich sehr, aber sehe mich oft zwischen den Massen verschollen. Genauso befürchte ich, dass »Götterwahn«, bei welchem ich Herausgeberin und Autorin bin, nicht gut ankommt und sich kaum verkauft – was nicht nur für mich und meine Kollegen in diesem Buch traurig wäre. Was, wenn ich als kleiner Guppy zu unbedeutend bin in diesem großen Meer, als dass sich Leute für meine Veröffentlichung kümmern? Was, wenn ich da stehe und mit Werbung und Aktionen nur so um mich wedle, und am Ende doch da stehe, übersehen und überdeckt von den Großen? (Hierbei will ich nur eben anmerken, dass ich mich dennoch für die größeren Autoren in meiner Community freue, die mir auch alle ans Herz gewachsen sind und hart für ihre Erfolge gekämpft haben!!)
Zugleich heißt #Autorenleben für mich stille Verzweiflung, denn seit einem gefühlten Jahr stecke ich in der wahrscheinlich schlimmsten Schreibflaute der Menschheit. Keine Idee spricht mich richtig an, manche tun es und wenn ich dann mit dem Schreiben beginnen will, verlieren sie ihren Glanz. Die gesamten 5 Monate, die ich während meiner Abiferien frei hatte, habe ich kaum zum Schreiben verwendet und überhaupt befürchte ich, dass Schreiben könnte mir aus der Hand geraten. Als hätte ich meine Chance mit Barn av aske und Death Scythe vertan und könnte jetzt, egal wie sehr ich es auch versuche, nicht mehr an dieses Maß herankommen. Dabei liebe ich es immer noch, das Gefühl, wenn in meinem Kopf eine Idee entsteht oder ich ab und an doch mal einen 5k Tag voll bracht, habe. Oder diese Tage, wenn ich mit meinen Schreibmaschinen über Charaktere und Plots grübele, oder einfach nur Hüte für den Protagonisten ausprobiere. Ich bin noch der festen Überzeugung, das Schreiben zu lieben … aber dennoch nagt es an mir, dass ich seit Death Scythe nichts mehr wirklich beendet habe, dieses alt bekannte Gefühl eines fertigen Romans nicht mehr empfinden konnte. Darüber schreibe ich nicht viel in den Netzwerken, denn warum auch? Oft sieht man dann irgendwelche Tipps, wie man Schreibblockaden überwinden könnte, die ich aber schon versucht habe.
Das Autorenleben, wie wir es euch oft präsentieren, ist nicht immer so süß, wie es zuerst aussieht. Es kommt vor, dass ich in Schreibnächten unmotiviert vorm Computer sitze und überhaupt keine Lust habe, lieber auf Twitter als Motivator fungiere, als mich selbst an Projekte zu setzen. Es gibt Momente, da hasse ich jeden Charakter in meinem Buch und die Wege, wie die Story geht, als wäre sie mir völlig aus den Händen gegangen. Es kommt vor, dass ich alles auf der Welt lieber machen möchte, als zu schreiben. Und ja, es gibt auch die Momente, in denen ich mich vor einen Abgrund stelle, wissend, dass ich sehr schlecht andere Dinge finden werde, die ich als Beruf ausführen möchte, neben dem Schreiben, weil ich denke, ich könnte nichts anderes. Und wenn es dann nicht mit dem Schreiben klappt? Was, wenn ich dann eigentlich gar nichts mehr gut kann und vor verschlossenen Türen stehe?

Dennoch – ich denke, es ist nicht schlecht, das gute Licht im #Autorenleben zu erhalten. Es zaubert mir oft ein Lächeln auf die Lippen, wenn ich sehe, wie es anderen Schreiberlingen so ergeht und ich freue mich, wenn da über einen neuen Tausender im Werk gejubelt wird oder eine weitere mehr oder wenige erfolgreiche Veröffentlichung. Vielleicht sollten wir als Autoren-Gemeinschaft einfach einen Extra-Hashtag schaffen, in dem wir herum jammern können und dann, wenn wir das getan haben, alles in die Hand nehmen, um dem Gejammer aus dem Weg zu gehen. Denn so wie bei Allem, ist nie alles perfekt und ich glaube, dass das auch kaum einer denkt. Es gibt viele Sachen, die einem das Autorendasein schon gut und gerne vermiesen und die von mir genannten Punkte sind wirklich nur ein Beispiel. Das sieht bei Jedem anders aus. Gerade bei denen, die in die Selbstständigkeit gehen oder wirklich veröffentlicht haben, ohne dann etwas zu verkaufen. Aber es gibt halt immer diese dunklen Seiten, das ist normal. Und manchmal ist es auch gut, mehr darüber sagen zu dürfen und sich auszutauschen! 🙂

Ich glaube, einen so drastischen Rausch von Gedanken hat es schon lange nicht mehr auf meinen Blogs gegeben. Es war einfach ein Mindblow-Thema für mich, dass mich echt beschäftigt hat, weil ich es auch recht gut nachvollziehen konnte, wenn ich auch zuvor nicht darüber nachgedacht habe. Kennt ihr das eigentlich auch? Diese Momente, in denen nicht alles so perfekt ist und ihr an euch, euren Ideen und überhaupt allem zweifelt? Lasst mir mal Momente in den Kommentaren da, in denen das #Autorenleben bei euch überhaupt nicht so wollte, wie es sollte!
Und bis zum nächsten Post, ich hoffe, dieser hier hat euch sehr gefallen!

Wie toll ist das

Advertisements

5 thoughts on “Wie toll ist das #Autorenleben eigentlich?

  1. Hallo, liebe Pauli.
    Online-Welten sind ein absolut bizarres Konzept. Durch die (empfundene) Nähe, die wir plötzlich zu Menschen haben, die den ganzen Weltball von uns entfernt sind, kreiren wir in unserer Psyche ein Gefühl von Authentizität, von Echtheit, von Vollständigkeit, das sich angeblich mit der Realität deckt. Das, was wir von anderen zu sehen bekommen, ist ihr „echtes Leben“.
    Tatsache ist: Das ist es nur in den allerseltensten Fällen und das sind Fälle, die wir belächeln, denn es sind die Fälle derjenigen, die jeden Gedanken und jedes Ereignis ihres Lebens ungeflitert mit der Welt teilen. Jeden Tag, was sie zu Mittag essen. Was sie gerade für einen erleuchtenden Gedanken haben. Dass es regnet. Dass der erste Schnee gefallen ist. Dass, wie jedes Jahr, schon im September die Lebkuchen in den Läden stehen und dass das nun mal gar nicht geht!!!
    Die wenigsten von uns wollen diese Posts wirklich lesen. Das „echte“ Leben, noch nichtmal in der Separierung von guten Seiten und schlechten Seiten, ist schon in seiner Alltäglichkeit voll mit Dingen, die wir nicht sehen wollen. Die uns in unserem eigenen Leben schon zu viel Zeit kosten, als dass wir sie noch als secondhand-Erlebnis bei einem anderen mitverfolgen wollen.
    Heißt: Wir wollen den Filter und wollen gleichzeitig nicht das Wissen, dass die Inhalte, die wir zu sehen bekommen, dermaßen gefliterte Inhalte sind. Let’s talk about Paradoxe, everyone.
    Mit dem #Autorenleben ist es das Gleiche.
    Wir tun so, als wäre es wirklich das AutorenLEBEN, das wir unter diesem Hashtags sammeln, und ärgern uns dann, dass es nur das ist, was wir vom AutorenLEBEN teilen wollten. Das soll bei mir tatsächlich noch gar nicht die Wertung haben, ob es Gutes oder Schlechtes ist, das wir teilen wollten (denn, wer kennt nicht die Jammer-Twitterer und wer gehört nicht auch ab und an zu ihnen?), es ist erstmal die Entscheidung: Das, was ich hier gerade denke, tue, sehe, empfinde, plane, vor mir habe – ist das etwas, das über meinen eigenen Kopf hinaus zu teilen ist.
    Eine schwere Belastung über eine Schreibblockade mag genauso „teilenswert“ sein wie eine Buchveröffentlichung, weil man es sich von der Seele schreiben will, weil man auf Gleichgesinnte hofft, die einem das Gefühl geben, nicht nur bei einem selbst seien die kreativen Flüsse versiegt, vielleicht auch, weil man hofft, jemand habe eine innovative Idee, den Staudamm abzubauen und wieder in Schwung zu kommen. Weil man menschlich erscheinen will.
    Das Bedürfnis, zu teilen, können wir in beiden Fällen und aus noch zigtausend anderen Gründen haben. Aus dem Bedürfnis kann die Entscheidung wachsen – oder nicht.
    Du nennst „ die ganzen Dinge, die einen hinter den Kulissen runter ziehen und beschäftigen, die man aber kaum mit der Welt und dem Internet teilt.“ Und obwohl ich mit meinem Twitter-Feed im Hinterkopf nicht sagen wollte, dass nur Gejubelt und nicht auch mal Gejammert wird, wenn es an den Kreativprozess geht, sondern stattdessen finde, dass sogar viel, viel, viel gejammert wird, wo nur eine Veränderung der Arbeitsweise oder des Arbeitsinhalts helfen würde, muss ich dir recht geben, die ersten 10+ Tweets im Hashtag #Autorenleben sind Jubelschreie (oder wenigstens die Ankündigung einer Handlung, die bei ihrer Vollendung Jubelschreie rechtfertigen wird).
    Und da rutschen wir in den großartigen Bereich: Marketing.
    Das nächste Tolle an den Online-Welten ist nämlich, dass es nur aus dem besteht, das Menschen über sich selbst kundgeben. Ob wir es wissen / wahrnehmen / wollen oder nicht: Mit jedem Klicken auf „Veröffentlichen“ verkaufen wir uns selbst. (Wir verkaufen uns auch mit jedem Mal, dass wir nicht auf veröffentlichen klicken, aber das führt zu weit vom Thema ab). Wir füttern das Narrativ über unsere Person, über unsere Vorlieben, über unsere Arbeit, über unser Schaffen. Mit jedem Like, jedem Kommentar, jedem Post.
    Du bist ganz selbstverständlich nicht allein damit, dass dein Autorendasein nicht aus perfekten Schreibsessions und großartigen Romanauszügen besteht. Aber das Narrativ „Autor mit perfekten Schreibsessions und großartige Romanauszüge“ verkauft sich im allgemeinen besser als ein das Narrativ eines Autoren, der nicht schreibt und nicht weiß, wie er aus dem Schreibtief wieder hervorkommen soll. Das Motto ist dabei ganz oft nicht Show me yours, I’ll show you mine. Meistens ist es: Fake it, til you make it. Nicht erst die Erfolgreichen sprechen nur von Erfolg, sondern schon die, die erfolgreich werden wollen, beginnen das Gespräch darüber, als wären sie es schon. Frei nach der Devise: Erfolg kommt zu denen, die auf ihn aus sind.
    Dass das problematisch ist, darüber müssen wir nicht reden. Es ist zwar, meiner Meinung nach, eher ein Problem unseres Umgangs mit dem Internet als ein Branchen spezifisches Problem, aber problematisch alle mal.
    Warum? Weil wir uns 90% der Zeit, die wir im Internet verbringen, mit anderen vergleichen, dabei aber auf unser „echtes Leben“ gucken (mit all den ungeschminkten Ärgerlichkeiten) und als Referenz das nehmen, das sie für „teilenswert“ und „marketing-affin“ hielten. Weil wir glauben, das, was wir zu sehen kriegen, ist alles, was es gibt, weil wir das andere, das es außerdem gibt, gar nicht erst zu sehen bekommen. Und weil uns das schaden kann, psychisch und physisch, emotional und kognitiv.
    Es gibt immer Stimmen, die dagegen arbeiten – und die muss es auch geben, weil wir sonst mit einem Schultern Zucken sagen: Na ja, ist halt so im Internet. Da zeigt halt jeder nur, wie gut es läuft, und alle, die das nicht durchschauen, leiden halt drunter. Kann man nichts machen. Dabei ist das lächerlich, denn das Internet ist ein von den Usern gestalteter Ort, mehr noch als alles andere auf der Welt, und die User sind es, die die Gestaltung verändern können, wohin sie wollen.
    Stimmen, die mir dazu einfallen, sind zum Beispiel eine V. E. Schwab, die sagt: Als eine Autorin, die es „geschafft“ hat, die Erfolg hat, ist es ihre Verpflichtung gegenüber Jungautor*innen, ehrlich und laut über die Probleme und Missstände und Hässlichkeit vor allem der Buchbranche zu berichten. Aber auch eine Marie haut hier und da Posts raus, die ganz ehrlich und offen sagen: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Es läuft nicht alles gut.
    Ich glaube tatsächlich, dass es sogar die Mehrheit von Autor*innen sind, die auf Twitter immer mal wieder auch Negatives schildern. Aber selbst, wenn sie es in einem 70 zu 30 Verhältnis tun, sind die 70% der vielen, vielen, vielen Stimmen, die sich im #Autorenleben-Hashtag finden, genug um eine relativ harte Wand an: „YES! KAPITEL GESCHAFFT! ZEHNTAUSEND WÖRTER GESCHRIEBEN! MEIN BUCH WURDE VERÖFFENTLICHT! HIER GEHT ES ZUR BLOGTOUR. WHOOP WHOOP“ zu bauen, hinter der ein: „9k in die Tonne gedrückt. Zum dritten Mal angefangen, die selbe Geschichte zu erzählen. Kaum Verkäufe, obwohl alle HIER! HIER! HIER! geschrieben haben. Böse Selbstzweifel, gegen die ich mich grad nicht wehren kann.“ verschwinden kann.
    Dementsprechend hilft am akutsten und am effektivsten wohl eine Reflexion unseres Umgangs mit dem Internet. Medienkritik, wie es so schön heißt. Und für die Zukunft wird es immer wieder helfen, wenn wir Freundlichkeit zum Kompass machen, mit dem wir entscheiden, ob etwas „teilenswert“ ist, und nicht den Marketingaspekt. („Hilft es jemandem, wenn ich jetzt poste, dass ich mein Kapitel schon wieder verworfen habe? Hilft es jemandem, wenn ich jetzt poste, dass ich den Spaß verloren hab, schon wieder? Öfter, als man instinktiv denkt, ist die Antwort „Ja“ – und selbst, wenn dieser Jemand bloß Du selbst bist. Um das zu fördern, sollte man dann aber auch mal zurückmelden, bei Stimmen, die solche Entscheidungen treffen – von ihrem Scheitern zu reden, auf eine Weise, die anderen helfen kann – dass es geholfen hat!)

    Zu deinem persönlichen Autorenleben:
    Man hört das nicht gern, aber: die Menschen, die erfolgreich werden, während man selbst es nicht wird, die tun nicht das Gleiche, was man selbst getan hat. Die haben (fast) immer mehr getan – welches Mehr ist diskutabel, aber dass sie mehr getan haben, ist nicht zu leugnen. Du sagst das selbst, deshalb eröffne ich dir da sicher grad kein Mysterium. Deshalb nur noch das: Es ist nicht schlimm, dass sie mehr getan haben. Es ist nicht schlimm, dass sie anderes getan haben. Dass sie es schneller getan haben. Im Gegenteil. Denn ja, du bist jung. Du bist noch ganz am Anfang, falls du aus dem Schreiben mehr machen willst als ein Hobby. Und das gibt dir ganz viel Zeit und Chance und Möglichkeit.
    Daran muss man nicht verzagen. Jeder in seiner Geschwindigkeit. Jeder auf seine Weise. Das ist völlig legitim. Vielleicht war das Glück dir noch nicht hold, vielleicht ist es das in ein paar Tagen, Wochen, Monaten, Jahren aber schon. Man muss nur dran bleiben. Ein Marathon, kein Sprint.
    Wenn du dich bemühst, gut so! Weiter so! Oder: weiter anders, etwas Neues (über das Schreiben / Bloggen / Vermarkten) lernen, etwas Neues ausprobieren. Jeder muss sich irgendwie aus der Masse erheben. Jeder hat die gleiche Chance dazu. Jeder hat dieselbe Pflicht. Daran wird sich nichts ändern. Da gibt es keinen Weg, der darum herum führt. Da muss man durch. Man kann sich Menschen, an die Seite stellen, die einem dadurch helfen. Man kann sich zu jemandem machen, der dadurch kommen kann. Man kann Dinge ausprobieren, Risiken wagen und aus Fehlern lernen. Und es immer und immer und immer und immer wieder probieren.
    Wenn es noch das ist, was man schaffen will: Nicht aufhören. Nicht aufgeben. Wenn es das irgendwann nicht mehr ist, auch legitim. Dann darf man es auch sein lassen. Du schuldest niemandem die Arbeit an einem Traum, der einmal deiner war, es aber nicht länger ist. Du wirst nicht dein Leben lang vor verschlossenen Türen stehen, es sei denn: Du schließt sie selbst.
    Wenn du es aber nach wie vor willst – und so wirkt es auf mich – dann nicht den Kopf in den Sand stecken, sich nicht vor lauter Angst lähmen lassen. Vielleicht ist noch nicht das Projekt dabei gewesen, das dich wieder fesselt, aber es wird kommen. Und dabei muss es nicht an vorherige Projekte anschließen, es darf auch etwas ganz eigenes sein. Es darf auch einfach nur Spaß machen. Man muss sich nicht an Maßstäben messen, die irgendwann mal Geltung haben. Alles, was es dir möglich macht, diese tonnenschwere Last abzulegen, wenn du ans Schreiben denkst: perfekt. Mehr braucht es gar nicht.

    In Schreibmaschinen-Liebe,
    deine Kira

    Liked by 2 people

    1. Danke für diesen fantastischen Kommentar, Kira. Ich werde wahrscheinlich kaum dazu in der Lage sein, alles davon noch einmal kommentieren zu können, aber ich denke, dass muss ich auch nicht. Danke, dass du noch mal einen tieferen Einblick auf die Sache gegeben hast – das war sehr interessant (und zu 100% nicht nur für mich). Und ich glaube, du hast mich gerade noch mal so richtig motiviert, weiter zu “kämpfen” und für das zu arbeiten, was ich liebe. Diesen Kick habe ich gebraucht und – du hast es echt alles so perfekt in Worte gepackt … hach, Kira ❤ xD Du machst mich sprachlos!

      Like

  2. Hallo Pauli,

    ich bin genauso lange dabei wie du, habe drei Bücher und in zwei Anthologien veröffentlicht. Das mag jetzt alles toll und klasse aussehen. Im Hintergrund habe ich das Gleiche durchgemacht wie du: man sieht die anderen, vergleicht und irgendwie merkt man, wie sich schleichend der Neid an einen klammert. Ich kann dir nur sagen: lass los.
    Das Schreiben ist eine Befreiung, die Möglichkeit sich selbst, die Gedanken und/oder die Welt zu verarbeiten. Es soll Spaß machen, primär dich erfreuen. Seitdem ich das beherzige, bin ich produktiver, freier und schätze das was ich erreicht habe. Es wird immer jemanden geben der besser und erfolgreicher ist als man selbst. Das ist aber gar nicht das Ziel. Erfreue die Menschen mit dem was du erschaffst und genieße das was zurück kommt. Und du wirst sehen, wie irrelevant plötzlich der ganze Rest ist. Dass aus einem anderen Blickwinkel die Dinge doch gar nicht so schlecht sind.
    Und selbst wenn, dann pack es an und ändere es. Und wenn es nicht klappt, mach es neu und besser. Nimm den Hashtag als Motivationsquelle, denn genau das soll er sein.

    Viele Grüße
    Andreas

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s